Immer ist er / sie das Opfer!

Es ist ein bekanntes Muster: Jemand inszeniert sich in Konflikten grundsätzlich als das Opfer, während der andere als Täter dasteht – unabhängig von der tatsächlichen Verantwortung. Hier sind konkrete Beispiele aus Partnerschaften und Elternbeziehungen:

 

In Partnerschaften:

 

  • Die vergessene Geburtstagsfeier: Sie redet seit Wochen von ihrem runden Geburtstag. Er vergisst ihn, obwohl sie ihn mehrmals erinnert hat. Als sie enttäuscht ist, sagt er: „Du machst immer so ein Drama daraus – ich bin der, der ständig unter Druck steht, alles perfekt zu machen. Du tust mir nie leid, wenn mir etwas schiefgeht.“
  • Das geteilte Konto: Er gibt heimlich Geld für Hobbys aus, sie fragt nach den Ausgaben. Daraufhin klagt er: „Du kontrollierst mich wie eine Mutter. Ich darf mir nichts erlauben – du stellst immer alles infrage. Du bist so ungerecht zu mir.“
  • Unausgesprochene Erwartungen: Sie wünscht sich mehr Zuneigung, spricht es aber nie direkt an. Stattdessen wird sie still und traurig. Als er fragt, was los ist, sagt sie: „Wenn du mich wirklich lieben würdest, müsstest du merken, wie es mir geht. Aber du kümmerst dich nie um meine Gefühle. Immer bin ich diejenige, die leidet.“
  • Die gestohlene Idee: Er schlägt einen gemeinsamen Urlaub vor, sie sagt zu. Wenige Tage später behauptet er: „Das war meine Idee, aber du tust so, als ob du die Planerin wärst. Du nimmst mir alles weg – ich darf nie etwas alleine entscheiden.“ Dabei hatte sie lediglich die Buchungen übernommen.

In Elternbeziehungen (zwischen Eltern und Kindern, meist aus Sicht des sich opfernden Elternteils):

 

  • Das undankbare Kind: Mutter hat ihr Leben „für die Kinder geopfert“ – verzichtete auf Karriere, Hobbys, Freunde. Als die erwachsene Tochter auszieht, sagt die Mutter: „Nach allem, was ich für dich getan habe, verlässt du mich jetzt? Du bist so egoistisch. Ich habe nichts mehr im Leben außer dir – und du wirfst mich weg.“
  • Der gestresste Vater: Vater arbeitet viel, ist selten zu Hause. Wenn der Sohn ihn auf enttäuschte Gefühle anspricht, antwortet er: „Ich arbeite doch nur für dich! Du ahnst nicht, wie sehr ich leide, damit du dein teures Handy haben kannst. Du beschwerst dich, dabei bin ich derjenige, der sich kaputtmacht für diese Familie.“
  • Die kontrollierende Mutter: Sie liest das Tagebuch der Tochter. Als diese sie zur Rede stellt, sagt die Mutter: „Ich mache mir nur Sorgen um dich! Du weißt nicht, wie schwer es ist, ein Kind zu haben, das einem alles verheimlicht. Du tust mir so weh mit deinem Misstrauen – dabei will ich doch nur dein Bestes.“
  • Der enttäuschte Elternteil: Das Kind entscheidet sich gegen das Medizinstudium, das die Eltern immer wollten. Der Vater sagt: „Nach allem, was wir dir ermöglicht haben – Nachhilfe, Förderung, Geld – das ist der Dank? Du zerstörst unsere Träume. Wir haben uns so aufgeopfert für dich, und du machst einfach, was du willst.“

Typische Muster dieser „Immer-Opfer“-Dynamik:

 

  • Umkehr der Verantwortung: Statt auf den eigenen Anteil zu schauen, wird der andere beschuldigt („Du bist schuld an meinem Schmerz“).
  • Unausgesprochene Erwartungen werden als gebrochene Versprechen dargestellt („Du hättest wissen müssen, was ich brauche“).
  • Fehlende Grenzen werden als Angriff erlebt („Wenn du Nein sagst, verletzt du mich“).
  • Emotionale Erpressung durch Schuldgefühle („Nach allem, was ich für dich getan habe ...“)

In beiden Beziehungsformen führt dieses Muster langfristig zu Erschöpfung, schlechtem Gewissen auf der einen und Ohnmacht auf der anderen Seite – denn wer immer das Opfer ist, kann auch niemals der Täter sein, und wer immer der Täter ist, kann nie etwas richtig machen.

 

Du willst aus der einen oder anderen Rolle aussteigen? TERMIN BUCHEN! 

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