Allein mit 21 Jahren in der Antarktis

Sie wiegt 48 Kilogramm und schleppte mit 21 Jahren – ganz allein – 100 Kilogramm Ausrüstung über 1130 Kilometer durch die Antarktis.

13. Januar 2025. Der geographische Südpol. Eine 21-jährige Norwegerin steht nach 54 Tagen völliger Isolation am anderen Ende der Welt und hat gerade einen bis dahin unangefochtenen Altersrekord gebrochen.

Karen Kyllesø wiegt 48 Kilogramm. Sie ist genau 1,52 Meter groß.

Der Schlitten, den sie 1130 Kilometer durch die eisige Ödnis der Antarktis hinter sich herzog? 100 Kilogramm bei der Abreise. Mehr als das Doppelte ihres Körpergewichts.

Man muss sich das mal vorstellen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten das Doppelte Ihres Körpergewichts durch Temperaturen schleppen, die regelmäßig minus 40 Grad erreichen. Allein. Fast acht Wochen lang. Zehn Stunden täglich Ski fahren über Eisformationen, die wie gefrorene Dolche aus dem Boden ragen. Durch Schneestürme, so dicht, dass man die eigenen behandschuhten Hände nicht sehen kann.

Sie brach nicht nur den Rekord für die jüngste Person, die den Südpol allein und ohne Unterstützung erreichte. Sie unterbot ihn um fast sechs Jahre und entthronte damit den vorherigen Rekordhalter, der erst 26 Jahre alt war, als er seine Expedition ein Jahr zuvor abgeschlossen hatte.

Doch was diese Leistung jenseits der Zahlen wirklich bemerkenswert macht, ist Folgendes: Karen entwickelte mitten in der Expedition ein Kälteasthma. Eine Atemwegserkrankung, die sie zuvor nie gehabt hatte, ausgelöst durch das Einatmen der eiskalten antarktischen Luft, die ihre Lungen verätzte. Sie hatte Medikamente dabei und fuhr trotzdem weiter Ski. Sieben bis zehn brutale Stunden jeden Tag.


Dies war kein spontanes Abenteuer. Mit 15 Jahren war sie die jüngste Frau, die das grönländische Inlandeis auf Skiern durchquerte. Noch bevor sie ihre Skier verstaut hatte, fragte sie ihren Mentor bereits nach der Antarktis.


Es folgten Jahre methodischer Vorbereitung. Schichtarbeit auf norwegischen Fischfarmen, um ihren Traum zu finanzieren. Wintertraining in extremer Kälte. Sommerliches Ausdauertraining, bei dem sie kilometerweit Reifen zog. Herbstliches Krafttraining in den Alpen.


Das Schwierigste? Zuzunehmen. Sie legte bewusst zehn Prozent an Gewicht zu und baute gezielt Muskeln auf, um eine Last zu bewältigen, die die meisten doppelt so großen Menschen erdrücken würde.

Am 21. November 2024 startete sie in Hercules Inlet. Keine Nachschublieferungen. Keine Lebensmitteldepots entlang der Route. Keine Führung von außen. Nur Karen, ihre Ausrüstung und 1133 Kilometer weiße Einöde.


44 Tage lang lebte sie in einer, wie sie es nannte, „Blase“. Abgeschnitten von allem außer ihren Gedanken, ihrem Willen und dem endlosen, gefrorenen Horizont, der sich kaum veränderte. Jeder Morgen bedeutete, in einem gefrorenen Zelt aufzuwachen, Schnee zu schmelzen, kalorienreiche Nahrung zu sich zu nehmen, präzise zu packen und dann gegen den ständigen Widerstand Ski zu fahren, bis die Erschöpfung sie zum Aufgeben zwang.


Als sie unter klarem antarktischem Himmel die Ziellinie überquerte, lobte sie der norwegische Ministerpräsident als Nachfolgerin von Roald Amundsen. Die legendäre Liv Arnesen, die 31 Jahre zuvor als erste Frau allein zum Südpol auf Skiern gelangt war, rief sie persönlich an, um ihr zu gratulieren.

Karens Worte nach ihrer Expedition brachten die Wahrheit auf den Punkt: „Es spielt keine Rolle, wie groß du bist oder wie imposant du aussiehst. Mit sorgfältiger Vorbereitung, mentaler Stärke und unerschütterlicher Konzentration kannst du Außergewöhnliches erreichen.“ 1,52 Meter groß. 48 Kilogramm schwer. Die jüngste Solo-Polarforscherin der Menschheitsgeschichte. Der Beweis, dass Außergewöhnliches nichts mit Größe zu tun hat.

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