Alleinerziehend: Was Betroffene berichten

Aus der Sicht von Betroffenen gibt es viele belastende Momente, die das Alleinerziehend-Sein so schwierig machen. Hier sind die häufig genannten schlimmen Aspekte, beschrieben als wäre es die eigene Stimme eines betroffenen Elternteils:

 

1. Die gnadenlose emotionale und körperliche Erschöpfung


„Am schlimmsten ist diese ständige Müdigkeit, die nie ganz weggeht. Wenn das Kind nachts Fieber hat, bin ich die Einzige, die aufsteht. Und am nächsten Tag muss ich trotzdem funktionieren – einkaufen, arbeiten, kochen, trösten. Es gibt keinen Tag, an dem ich mich einfach mal krankmelden oder ‚schlafen legen' könnte. Diese Verantwortung allein zu tragen, ohne dass jemand einspringt, zehrt einen über die Jahre auf.“

 

2. Die erdrückende Einsamkeit


„Die schlimmsten Momente sind die stillen. Wenn das Kind im Bett ist und ich allein auf dem Sofa sitze. Kein Erwachsener, mit dem ich den Tag besprechen kann, keine Schulter zum Anlehnen. Man teilt die Sorgen ums Geld, die Wutanfälle des Kindes, die kleinen Erfolge – aber immer nur in meinem eigenen Kopf. Freunde haben oft kein Verständnis, weil sie abends frei haben oder mal ausschlafen können. Diese Einsamkeit fühlt sich an, als wäre man auf einer Insel, während alle anderen auf dem Festland leben.“

 

3. Der ständige finanzielle Druck


„Ich rechne jeden Euro zweimal um. Neue Schuhe fürs Kind oder die dringend benötigte Autoreparatur? Oft bleibt nichts für mich – nicht mal eine neue Jeans, wenn die alte Löcher hat. Die Angst vor unerwarteten Rechnungen ist ein ständiger Begleiter. Und dann diese Blicke auf dem Amt, wenn man Hilfe beantragt. Man fühlt sich wie ein Versager, obwohl man mehr arbeitet als viele andere – aber die Kinderbetreuung frisst einfach das halbe Gehalt auf.“

 

4. Die Doppelbelastung ohne Pause


„Vom Aufwachen bis zum Einschlafen bin ich im ‚Machen-Modus‘. Früh das Kind anziehen, Brotdose packen, zur Kita hetzen, dann Vollzeit arbeiten, abholen, kochen, Hausaufgaben, baden, vorlesen. Irgendwann, wenn das Kind schläft, wasche ich Wäsche oder putze die Wohnung. Es gibt keine ‚Nachtschicht‘, wo mein Partner übernimmt. Ich bin immer die Erste, die aufsteht, und die Letzte, die ins Bett fällt. Einfach mal eine halbe Stunde für mich? Ein Luxus, den ich mir nicht leisten kann.“

 

5. Das schlechte Gewissen – immer und überall


„Egal, was ich tue, ich habe das Gefühl, es ist falsch. Bin ich auf der Arbeit, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil mein Kind das letzte in der Kita ist. Bin ich zu Hause, habe ich Angst, dass mein Job leidet. Wenn ich gestresst zu laut werde, denke ich nachts: ‚Bin ich eine Rabenmutter?‘ Dabei würde ich so gerne die Geduld von zehn Engeln haben. Aber ich bin nur ein müder, überforderter Mensch. Und dann die Sprüche von außen: ‚Hättest du dir vorher überlegen sollen‘ oder ‚Dein Kind fehlt der Vater‘ – das sitzt wie ein Messer.“

 

6. Die Angst, dass etwas passiert


„Letztens bin ich mit dem Kind auf dem Arm die Treppe runtergerutscht. Zum Glück nichts passiert. Aber in dem Moment dachte ich: Wenn ich mir jetzt das Bein breche – wer fährt das Kind dann zur Kita? Wer kocht? Wer zahlt die Miete? Diese Verletzlichkeit macht mich wahnsinnig. Es gibt kein Auffangnetz. Ich bin das gesamte Sicherheitsnetz für uns zwei – und das ist verdammt schwer, wenn man selbst nur aus menschlichen Knochen besteht.“

 

Gruppe unter psychologischer Begleitung für Alleinerziehende Mütter und Väter: Anmeldung bitte über unser Kontaktformular

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