Dinge, für die ich als Kind verantwortlich gemacht wurde – und was das aus mir gemacht hat

 

  1. Gefühle der Eltern
  • „Hör auf zu weinen, sonst bin ich traurig.“
  • „Du machst mich wütend mit deinem Verhalten.“
  • „Sei brav, damit ich mich entspannen kann.“
  1. Beziehungsprobleme der Eltern
  • „Wegen dir streiten wir uns ständig.“
  • „Wenn du nicht wärst, hätten wir mehr Zeit füreinander.“
  • „Du bist der Grund, warum Papa/Mama so oft schlechte Laune hat.“
  1. Eigene Bedürfnisse des Kindes
  • „Du stellst dich an, das tut doch nicht weh.“ (z. B. bei Verletzung)
  • „Du bist so egoistisch, wenn du Aufmerksamkeit willst.“
  • „Andere Kinder brauchen weniger Schlaf – sei nicht so anstrengend.“
  1. Alltagsorganisation und Haushalt
  • „Du hast das Chaos gemacht – räum sofort auf!“ (auch wenn das Kind gar nicht beteiligt war)
  • „Wir kommen zu spät wegen dir.“
  • „Du bist so unordentlich, das macht mir extra Arbeit.“
  1. Geschwisterkonflikte
  • „Pass auf deine kleine Schwester auf – wenn sie weint, bist du schuld.“
  • „Sei ein Vorbild – wenn er etwas falsch macht, liegt es an dir.“
  1. Finanzielle Sorgen
  • „Weißt du, wie viel das kostet? Sei nicht so teuer.“
  • „Wegen dir können wir uns keinen Urlaub leisten.“
  1. Soziale Erwartungen
  • „Schäm dich, so vor den Gästen – jetzt denken die schlecht über uns.“
  • „Du machst mich vor der Familie lächerlich.“
  1. Gesundheit oder Wohlbefinden der Eltern
  • „Dein Schreien gibt mir Kopfschmerzen.“
  • „Ich bin so erschöpft, weil du mich nie in Ruhe lässt.“

Wie prägen solche Aussagen das Kind langfristig?

 

Solche Aussagen prägen ein Kind langfristig, weil sie tief in sein Selbstwertgefühl, sein Beziehungsverhalten und seine Emotionsregulation eingreifen. Hier sind die typischen langfristigen Folgen:

 

1. Chronische Schuldgefühle & übertriebene Verantwortungsübernahme

 

  • Prägung: Das Kind lernt: „Ich bin schuld, wenn es anderen schlecht geht.“
  • Langfristig als Erwachsene/r: Neigung, sich für alles verantwortlich zu fühlen – sogar für Dinge, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen. Ständiges Entschuldigen, starkes Bedürfnis, es allen recht zu machen.

2. Unterdrückung eigener Bedürfnisse

 

  • Prägung: „Meine Gefühle und Wünsche sind falsch oder belastend.“
  • Langfristig: Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen oder zu äußern. Neigung zur Selbstaufgabe in Beziehungen. Hohe Toleranz für respektloses Verhalten anderer.

3. Perfektionismus & Angst vor Fehlern

 

  • Prägung: „Nur wenn ich funktioniere, bin ich liebenswert.“
  • Langfristig: Ständiger Leistungsdruck, Angst vor Kritik, Prokrastination aus Versagensangst. Burnout-Risiko. Selbstwert schwankt mit Erfolg/Misserfolg.

4. Schwierigkeiten mit Grenzen

 

  • Prägung: Kind musste eigene Grenzen ständig überschreiten (z.B. trösten, obwohl es selbst Hilfe brauchte).
  • Langfristig: Entweder kaum Grenzen setzen können (People-Pleasing) oder übermäßig rigide, abwehrende Grenzen (Angst vor Vereinnahmung).

5. Emotionale Unsicherheit & Misstrauen

 

  • Prägung: „Andere sind unberechenbar – mein Verhalten bestimmt ihre Laune.“
  • Langfristig: Ständiges Scannen der Umgebung auf Stimmungen anderer (Hypervigilanz). Angst vor Nähe oder umgekehrt klammerndes Verhalten. Schwierigkeiten, sich auf andere einzulassen.

6. Geringes Selbstwertgefühl

 

  • Prägung: „Ich bin zu viel / nicht genug / falsch.“
  • Langfristig: Tief sitzender Glaube, nicht liebenswert zu sein. Kompensation durch besondere Leistungen, Aussehen oder Selbstaufopferung. Hohe Anfälligkeit für Depressionen.

7. Schwierigkeiten, eigene Emotionen zu regulieren

 

  • Prägung: Gefühle wurden nicht gespiegelt, sondern abgewertet oder bestraft.
  • Langfristig: Entweder Emotionsausbrüche (weil nie gelernt, sie einzuordnen) oder totale Emotionsunterdrückung (Gefühlstaubheit). Häufig auch körperliche Symptome wie Verspannungen, Migräne.

8. Wiederholung in späteren Beziehungen

 

  • Prägung: Vertraute Dynamiken fühlen sich „normal“ an.
  • Langfristig: Unbewusste Suche nach Partnern, die ähnlich unberechenbar oder fordernd sind. Erneute Parentifizierung in der eigenen Elternrolle möglich.

Lust, das aufzulösen? BERATUNGSTERMIN BUCHEN!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0